Achtung Überdosis: Vitamine und die orthomolekulare Medizin

Viel hilft viel, das ist das Motto der orthomolekularen Medizin. Diese absonderliche Gruppe von Alternativ-Heilern ist überzeugt: Hohe Dosen von Vitaminen sollen das Gleichgewicht im Körper wieder herstellen und fast jede Krankheit heilen können.
Der Begründer der Hochdosis-Idee war Linus Pauling, der das fünfzehn- bis dreißigfache dessen empfahl, was die WHO als gesund ansieht. Seine Nachfolger teilen sich in zwei Lager: Die einen sind vorsichtiger und geben das vier- bis sechsfache der empfohlenen Tagesdosis. Andere verordnen ihren Patienten die zehn- bis hundertfachen Mengen. Funktioniert leider nicht, nicht einmal bei einer gewöhnlichen Erkältung, das ist nachgewiesen (onlinelibrary.wiley.com). Im Gegenteil: In großen Mengen werden Vitamine giftig.

Überdosis-Erkrankungen



      

Zu viel Vitamin D schadet den Nieren, löst Calcium aus den Knochen und lässt es sich dafür überall ablagern, wo es nicht hingehört. In Lunge, Muskeln und Sehnen lösen die Verkalkungen dann Irritationen und Entzündungen, in Herz und Adern sogar Infarkte aus.
Vitamin A in großen Mengen kann auf lange Sicht zum Beispiel Haarausfall bewirken, außerdem Leberprobleme, und, laut einer schwedischen Studie, auch erhöhtes Risiko für Knochenbrüche. Polarforscher haben es geschafft, sich mit Eisbärenleber kurzfristig sogar eine akute Vitamin A-Vergiftung anzuessen.
Davon scheinen die orthomolekularen Mediziner inzwischen gehört zu haben, denn Vitamin A, D und ironischerweise auch das Vitamin K (Arterioklerose vorbeugen mit vitamin K) sind die Ausnahmen bei ihrem Behandlungsprinzip.

Viel hilft nichts.

Die Empfehlung, dass man Obst und Gemüse fünfmal am Tag essen sollte, hat ihren Sinn. Denn die meisten Vitamine kann der Körper nicht speichern. Was nicht sofort gebraucht wird, wird entsorgt. Fünf kleine Vitaminportionen am Tag halten die Menge, die im Blut zirkuliert und damit Deinen Zellen zur Verfügung steht, gleichmäßig hoch. Eine große Dosis dagegen ist binnen weniger Stunden ausgepinkelt, und Dein Körper hat nichts davon.

Fazit: Richtig angewendet bewirkt die orthomolekulare Medizin im besten Fall – gar nichts. Falsch angewendet kann sie lebensgefährlich werden.


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