Weidemilch: Der Unterschied heißt Phytansäure

Kann Stiftung Ökotest unterscheiden, ob die Milch tatsächlich von glücklichen Kühen auf der Weide stammt? Ja. Denn weidende Kühe fressen Gras, Gras enthält viel Chlorophyll, und im Magen der Kuh wird Chlorophyll zu Phytan. Aus Phytan wird Phytansäure, und die lässt sich nachweisen. Stallkühe, die kein grünes Futter bekommen, haben wesentlich weniger Phytansäure in ihrer Milch. Übrigens auch in Fleisch und Leber. So lässt sich Öko-Rind von Stallrind zuverlässig unterscheiden.

Phytansäure und der menschliche Stoffwechsel



      

Was macht Phytansäure im menschlichen Körper? Sie gelangt ins Blut, in winzigen Mengen. Und von dort aus in die Zellen. Sie gehört zu den Fettsäuren, und wie diese wird sie teilweise eingelagert, teilweise abgebaut. Aber Phytansäure ist ein wenig anders aufgebaut als die meisten Fettsäuren, und braucht zum Abbau einen anderen Stoffwechselweg. Funktioniert der nicht, ist Phytansäure in hohen Konzentrationen im Blut, und es gehen Nervenzellen kaputt. Das Krankheitsbild nennt sich Refsum-Syndrom.
Aber bleiben wir beim gesunden Körper, der die Phytansäure in kleinsten Mengen im Blut hat, und ohne weiteres abbauen kann. Hat sie eine Wirkung? Möglicherweise. Denn Sie greift in den Zucker- und Fettstoffwechsel ein. Bei Ratten ließ sich mit Phytansäure der Blutfettwert um 40% senken. Zwar nicht das Cholesterin, aber immerhin. Und weil hohe Blutfettwerte mit der Zeit unangenehme Auswirkungen haben (Altersdiabetes), forscht man jetzt nach, ob sich der Chlorophyll-Abkömmling Phytansäure hier als Medikament verwenden lässt. Auswirkungen auf den Zuckerstoffwechsel der Leberzellen sind auch schon nachgewiesen, zwar keine allzu großen, aber immerhin.

Phytansäure zum Abnehmen?

Läge doch nahe bei einer Substanz, die die Blutfettwerte senkt und den Zuckerstoffwechsel in der Leber beeinflussen kann. Aber leider nicht. Sonst müssten diejenigen, die sie in großen Mengen im Blut haben, nämlich die Patienten mit dem Refsum-Syndrom, alle gertenschlank sein. Und das sind sie nicht. Das Refsum-Syndrom besteht aus Nachtblindheit (die nach und nach zu völliger Blindheit wird), fortschreitender Taubheit, Bewegungsstörungen und dergleichen mehr. Abmagerung ist nicht dabei.

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