Skurrile Gesundheitstrends Teil 1: Das Mikrobiom analysieren

Deine Darmbakterien haben eine Menge Einfluss auf deine Gesundheit. Sie schützen dich vor Krankheiten, versorgen dich mit Vitaminen, und manche können dich vermutlich sogar schlank machen. Außerdem munkelt man, sie könnten die Stimmung beeinflussen, vielleicht sogar den Charakter. Deshalb bieten findige Geschäftsleute in den USA eine einfache und schnelle Analyse der Darmflora an: Stuhlprobe einschicken, 89$ bezahlen, Ergebnisse ansehen.

Was es bringen soll



      

Das sagen die Anbieter nicht. Hast du deine Laborergebnisse, dann kannst du auf der Internetseite ubiome.com deine Darmflora mit der verschiedener Gruppen vergleichen: Wie sieht dein Mikrobiom aus neben dem des durchschnittlichen Vegetariers, Sportlers, Paläo-Ernährers oder Säufers? Werden bestimmte Sorten von Bakterien in deinem Darm mit der Zeit mehr oder weniger, oder bleibt deine Darmflora gleich? Du brauchst nur alle paar Wochen eine Probe einzuschicken, dann zeichnet dir die Seite ein hübsches Diagramm.
Was du mit diesem Wissen anfangen kannst? Nun, passt dir deine Darmflora nicht, dann kannst du dir bei einer anderen Firma eine neue bestellen. Wie eine sogenannte Stuhlverpflanzung aussieht, will ich hier nicht beschreiben: Ich glaube, der Name sagt schon alles. Mit den neuen Darmbakterien sollst du dann urplötzlich auch alle Eigenschaften des Stuhl-Spenders bekommen – so wie manche Indianer bärenstark werden wollten, indem sie das Herz eines Bären aßen.

Was es bringen kann – und was nicht

Die Verfahren, mit denen man die Zusammensetzung der Darmflora genau bestimmen kann, sind noch reichlich teuer. Die Billigvariante ist in etwa so, wie wenn du Tiere einteilst in Vögel, Vierbeiner, Fische und Krabbelzeugs. Welche Arten von Bakterien genau vertreten sind, erfährst du hier nicht – und damit auch nicht, ob es nützliche sind oder schädliche.
Veränderungen mitzuverfolgen, halte ich für sinnlos: Je nachdem, was du gegessen hast, vermehren sich mal die einen, mal die anderen Bakterien schneller. Da steht vom einen Monat zum anderen plötzlich ein Riesenunterschied auf dem Papier, und der Grund ist die Portion Sauerkraut von vorgestern. Würdest du jeden Tag eine Probe einschicken, hättest du wahrscheinlich jedes mal andere Werte.


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