Schlafmangel macht Appetit

Diätratgeber sagen viel darüber, was und wann Du vor dem Schlafen gehen als letztes essen solltest, damit du „im Schlaf abnehmen“ kannst. Ich möchte heute nicht übers Essen schreiben, sondern über den Schlaf selbst. Denn wie Du die Nächte verbringst, hat einen entscheidenden Einfluss auf Gewicht und Gesundheit: Schlafmangel macht nicht nur zerknittert und müde, sondern hat Einfluss auf das Essverhalten.

Weniger Schlaf, mehr Appetit



      

In unserem Blut zirkulieren einige kleine Botenstoffe, die uns tendenziell hungriger machen oder uns schneller satt werden lassen. Einer von ihnen hat damit zu tun, wie voll oder leer unsere Fettreserven sind. Ein anderer hängt davon ab, wann wir zuletzt gegessen haben. Und einer von den appetitanregenden Botenstoffen wird mehr, je weniger wir schlafen. Forscher der Universität von Chicago haben den Zusammenhang an gesunden jungen Erwachsenen (Studenten) untersucht. Vier Nächte lang durften die Probanden 8,5 Stunden schlafen, vier Nächte nur 4,5 Stunden. Tagsüber mussten sie aufschreiben, wie viel Hunger sie hatten und was sie aßen. Das Ergebnis: Nach einer Nacht mit wenig Schlaf hatten sie den ganzen Tag über mehr Appetit, aßen mehr, und konnten süßen Zwischenmahlzeiten nicht widerstehen. In ihrem Blut fanden die Forscher erhöhte Spiegel von 2-Arachidonoylglycerol und 2-Oleoylglycerol – zwei körpereigene Appetitanreger, die uns bei Schlafmangel mehr essen lassen.

Warum dieses System? Wach sein kostet Energie. Wenn Du länger als normal wach bist, verbrauchst Du mehr Energie als sonst, und diese Energie sollst Du ersetzen. Ungesund ist nur, dass der gesteigerte Appetit Dich mehr essen lässt, als Du verbraucht hast. Schlafmangel macht Lust auf Naschereien und unnötige zweite Portionen. Auf Dauer sammelst Du damit überflüssige Reserven an – zusätzlich zu den Augenringen.

Labor und Realität

Jemanden vier Nächte lang nur 4,5 Stunden schlafen zu lassen, das sind künstliche Laborzustände. Die meisten Nächte im Jahr schläft jeder so lange, wie er braucht – oder? Kommt es vor, dass Schlafmangel einen Menschen übergewichtig oder sogar fettleibig macht?
Wahrscheinlich. Man sieht es bei den Patienten einer weit verbreiteten und grausamen Krankheit: Schlafapnoe. Weit verbreitet, weil man sie bei 9-15% der Bevölkerung findet. Grausam, weil sie Dich ständig müde macht und mit verschiedensten anderen Krankheiten in Verbindung steht. Eine davon ist Fettleibigkeit. Über die Hälfte aller Patienten mit schwerer Schlafapnoe ist krankhaft übergewichtig. Anscheinend macht Schlafmangel also nicht nur im Labor mehr Appetit, sondern auch im Alltag.
Damit kommen wir zurück auf die Diätratgeber und das beste Essen vor dem Schlafen gehen. Wann, was und wie viel du abends essen solltest, ist schnell beantwortet: Die gesündeste letzte Mahlzeit des Tages ist die, nach der du am besten schlafen kannst.


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